FAQs zu Evidenzbasierung in der Ergotherapie

Evidenzbasierte Ergotherapie gewinnt in der deutschsprachigen Ergotherapie immer mehr an Bedeutung. Diese Entwicklung prägt die Professionalisierung des Berufsstandes. Zusätzlich bildet das wissenschaftlich fundierte Arbeiten einen sehr wesentlichen Teil ab, um die Wirksamkeit und Notwendigkeit der Ergotherapie aufzuzeigen. Damit wird es möglich Forschung als ein neues Handlungsfeld für die Ergotherapie zu entwickeln und zu etablieren und ergotherapierelevante Studien innerhalb der Berufsgruppe durchzuführen. Das Positionspapier "Ergotherapie im Kontext der Wissenschaften" beschreibt die Charakteristika und Themen dieser sich entwickelnden Ergotherapie- und Betätigungswissenschaft / Handlungswissenschaft in Österreich.

Mit der Forschungsstrategie (Health Care 2020: Forschungsstrategie für ausgewählte Gesundheitsberufe) soll die Etablierung von Forschung durch die Angehörigen der Gesundheits- und Krankenpflege, Hebammen und gehobenen medizinisch-technischen Dienste an hochschulischen Einrichtungen sowie die Vernetzung von Wissenschaft und Praxis inhaltlich unterstützt werden.

Das Positionspapier „Ergotherapie im Kontext der Wissenschaften“ beschreibt die Charakteristika und Themen der sich entwickelnden Ergotherapie- und Betätigungswissenchaft / Handlungswissenschaft in Österreich. Es legt den spezifischen Beitrag dieser Wissenschaft für die ergotherapeutische Praxis, zum interdisziplinären wissenschaftlichen Diskurs, zum Verständnis von Gesundheit, Krankheit und Behinderung und der Gestaltung der Gesundheitsversorgung sowie zur Gestaltung einer inklusiven und partizipativen Gesellschaft wie des Bildungs- und Sozialssystems dar.

Ergotherapie Austria hat ein Glossar mit den wichtigsten Begrifflichkeiten und Abkürzungen zu Evidence Based Practice zusammengestellt. Sie können dieses unterhalb downlaoden.

Die Broschüre “Value of Occupational Therapy – about evidence-based occupational therapy” besticht durch den handlungspraktischen Aufbau und bietet auf 42 Seiten kompakte Information zu evidenz-basiertem Arbeiten. Sie enthält einen konkreten Arbeitsplan für 9 meetings (à 2 Stunden) in denen eine Gruppe von ErgotherapeutInnen schrittweise gemeinsam das evidenzbasierte Arbeiten kennenlernt, diskutiert und auch praktisch erprobt. In 4 Kapiteln sind die Themen für die Meetings und deren konkrete Durchführung beschrieben. Leitfragen und konkrete Aufgabenstellungen bieten eine hilfreiche Struktur. Die Broschüre wurde ursprünglich vom schwedischen Ergotherapie-Verband in der Landessprache herausgegeben. Auf Anregung von COTEC und in Absprache mit den nationalen Berufsverbänden wurde sie in die vorliegende englische Fassung übersetzt, um sie möglichst vielen ErgotherapeutInnen zugänglich zu machen.

Evidence based Practice meint, dass basierend auf wissenschaftlichen Erkenntnissen therapeutische Entscheidungen getroffen werden. Das eigene Praktizieren wird dadurch evaluiert, reflektiert und erhöht die eigenen therapeutischen Möglichkeiten sowie das therapeutische Outcome. Evidence based Practice ist bei jeder klinischen Fragestellung und unabhängig vom Fachbereich anwendbar. Neben der Therapieeffektivität werden auch Kosteneffektivität und Ressourcen berücksichtig. Evidence based Practice ist aber nicht mit der therapeutische Entscheidung gleichzusetzen sondern spielt im Entscheidungsprozess neben den eigenen Erfahrungen / Clinical Reasoning und den Zielen der PatientInnen eine Rolle.

Nicht zu unterschätzen ist die Zeit, die Sie für die Suche nach einer geeigneten Studie aufbringen müssen. Nicht jedes Fachgebiet bzw. jede Fragestellung wurde bereits umfassend untersucht. Daher kann es sein, dass Sie bei seltenen Fragestellungen keine relevanten Studien finden, oder eine relevante Studie weist eine niedrige Qualität auf und ist daher nicht von Bedeutung. Ein weiteres Problem stellt auch der Zugang zu den Artikeln dar. Nicht jede Datenbank verfügt über Volltextzugänge, Artikel müssen gegebenenfalls bezahlt werden.

Der Evidence based Practice Prozess umfasst 5 Schritte:

  1. Formulierung einer klinisch relevanten Fragestellung (diese ergibt sich durch Ihre Problemstellung in der Praxis z.B. Sie haben von einer neuen Therapieform gehört und möchten nun wissen, ob diese bei einer bestimmten Krankheit zu Erfolgen führt)
  2. Evidenz / Literatur suchen
  3. Literatur auswerten; auf Richtigkeit / Gültigkeit und Gebrauch evaluieren
  4. Ergebnisse in der Praxis implementieren
  5. Evaluieren der Ergebnisse

Nachfolgende Auflistung gibt Ihnen eine Übersicht über ergotherapierelevante Datenbanken. Frei zugänglich ist nur der OT-Seeker bzw. nach einer Registrierung die OTD-Base. Für alle anderen benötigen Sie einen Zugang über eine Institution (z.B. Fachhochschule).

  • AMED (Zugang nur über eine Institution): Volltext, beinhaltet Studien zu Therapie und Rehabilitation
  • CINHAL (Zugang nur über eine Institution): Volltext, beinhaltet Studien zu Therapie und Pflege
  • Cochrane Library (Zugang nur über eine Institution): Volltext, vorwiegend randomisiert kontrollierte Studien und systematische Reviews
  • DVE: freier Zugang, deutsche Studienzusammenfassung; Jahresmitgliedschaft kostet beim deutschen Verband für Ergotherapie Austria Mitglieder 70€
  • OTD-Base: freier Zugnag, Registrierung notwendig, monatliche Gebühr, nur ergotherapeutische Studien
  • OT-Seeker: freier Zugang, systematische Reviews und klinische Studien
  • PubMed: freier Zugang, medizinischer Fokus
  • Medline (Zugang nur über eine Institution):  medizinischer Fokus
  • Pedro: freier Zugang, physiotherapeutische Datenbank, beinhaltet systematische Reviews und randomisiert kontrollierte Studien

Grundvoraussetzung sind Keywords, die aus der vorliegenden Problemstellung gezogen werden. Da die meisten Artikel in Englisch sind, empfiehlt es sich, von Anfang an mit englischen Keywords zu arbeiten. Zwei Bespiele:

  • Fragestellung: Bewirkt eine ambulante Ergotherapie bei PatientInnen mit Demenz eine Verbesserung der Alltagsfunktion?
    Keywords: dementia, elderly, home intervention, occupational therapy , daily activities, ADL, occupation
  • Fragestellung: Welchen Nachweis gibt es dafür, dass ein Therapieansatz nach Forced Use zu einer Verbesserung der ADLs nach einem Schlaganfall führt?
    Keywords: stroke disability dysfunction forced use increased occupational performance /ADL

Verwenden Sie bei der Verwendung von Keywords sogenannte Trunkierzeichen. Ein Trunkierzeichen ist ein Platzhalter und steht für all mögliche Endungen eines Stammwortes. In den meisten Datenbanken ist es das *, hin und wieder auch $. Dadurch verbreitert sich Ihr Suchwort. Wenn Siezum Beispiel occupat* eingeben, so werden Ergebnisse mit occupation, occupational,… berücksichtigt, therap* steht somit für therapy, therapist, therapists….

Damit Phrasen erkannt werden, setzen Sie diese in ().

Diese Keywords werden bei der Suche in unterschiedlichen Kombinationen miteinander verbunden. Hierfür stehen drei Möglichkeiten zur Verfügung:
1. Verknüpfung mit OR, das bedeutet, dass sämtliche Ergebnisse berücksichtigt werden, die entweder das eine oder das andere Keyword beinhalten.

2. Verknüpfung mit AND: hier wird die Schnittstelle beider gesucht. Das heißt jedes Ergebnis beinhaltet sowohl Keyword 1 als auch Keyword 2.

3. Verknüpfung NOT: Hier werden vom Keyword 1 die Ergebnisse, die zusätzlich Keyword 2 beinhalten ausgeblendet.

Wenn Sie durch die Suche keinen Zugang zu einem Volltext erhalten, bedeutet es nicht zwangsläufig, dass die Beschaffung des Artikels mit Kosten verbunden ist. Sie haben folgende Möglichkeiten:

Im ersten Schritt sollten Sie überprüfen, ob der Text eventuell frei im Internet zugänglich ist. Geben Sie hierzu einfach den Titel in die Google Suchmaschine ein oder suchen Sie direkt auf der Homepage der Zeitschrift. Manche Zeitschriften stellen ältere Artikel frei zur Verfügung. Wenn Sie einen Zugang zu einer Universitäts- oder  Fachhochschulenbibliothek haben, können Sie überprüfen ob hier eventuell ein kostenfreier Zugang zur Zeitschrift besteht.

Ansonsten muss der Volltext bestellt werden. Zu empfehlen sind die elektronische Zeitschriftenbibiliotheken (EZB) oder über die Fernleihbestellung Subito (www.subito-doc.de). Bei Subito müssen Sie sich registrieren, die Artikel kosten um die 5 € und werden per Post oder per E-Mail versendet.

Von anderen Bestellmöglichkeiten wird abgeraten, da hier die Kosten erheblich höher sein können.

Verschaffen Sie sich zuerst einen Überblick über die Studie. Lesen Sie den Titel, das Abstract und die genaue Fragestellung / das Ziel der Studie (finden Sie im letzten Absatz der Einleitung). Diese Dinge verraten schon sehr viel über den Inhalt und Sie können dann entscheiden, ob dieser Ihre Fragestellung beantwortet oder nicht. Erst jetzt lesen Sie den Artikel. Die Einleitung verrät viel über die Hintergründe des Themas, der Hauptteil präsentiert das Studienvorgehen und die Ergebnisse. Lassen Sie sich nicht von Zahlen abschrecken. Auch die Diskussion verrät Ihnen sehr viel über die Studienresultate.

Studien werden nach Evidenzebenen eingeteilt:

1. Metaanalyse oder systematische Reviews von randomisiert kontrollierten Studien (RCT) stellen die höchste Ebene der Evidenz dar. Sie fassen mehrere RCTs zu einem Thema zusammen und bieten einen großen und aktuellen Überblick über das Thema. Diese Übersichtsarbeiten werden mit Hilfe der PRISMA Checkliste (z.B. Beschreibung der vollständigen elektronischen Suchstrategie, Auswahlkriterien, Methoden zur Beurteilung der einzelnen Studien), bewertet. Diese Bewertung ist häufig auch in den Datenbanken zu finden. Insgesamt können 27 Punkte erreicht werden. Je höher die erreichte Punktezahl umso höher ist die Qualität der Studie. Zur englischen PRISMA Checkliste

2. Randomisiert kontrollierte Studien (RCT) sind klinische Studien mit einer Versuchs- und Kontrollgruppe. Die Zuteilung der Probandinnen zu den Gruppen erfolgte zufällig (randomisiert). Die ProbandInnen beider Gruppen werden vor und nach der Intervention getestet. Die Ergebnisse verglichen. RCTs werden mit Hilfe der PEDro Skala bewertet. Insgesamt können 11 Punkte erreicht werden und berücksichtigt Aspekte wie z.B. Geblindete ProbandInnen (die TeilnehmerInnen wissen
nicht, in welcher Gruppe sie sind). Zur deutschen Version der PEDro Skala

3. Nicht-randomisierte Studien sind klinische Studien ohne zufällige Zuteilung zu den Gruppen.

4. Nicht-experimentelle Studie sind Studien, die zum Beispiel nur einen Erhebungszeitpunkt (ohne Intervention) haben.

5. Expertenmeinung