Leistungsharmonisierung im Bereich der Ergotherapie

(25.6.2018) Vergangene Woche wurde in den Medien vermehrt zum Thema „Harmonisierung der Leistungen der Krankenkassen“ berichtet. Auch der Leistungsbereich Ergotherapie wurden dabei erwähnt und Angleichungen der Leistungen für alle Versicherten in den Raum gestellt. Nach Gesprächen mit dem Hauptverband der Sozialversicherungsträger können wir jetzt unsere Mitglieder über die tatsächlichen Fakten informieren.

Die Trägerkonferenz der Gebietskrankenkassen hat für den Leistungsbereich Ergotherapie eine Leistungsangleichung im Bereich des Kostenzuschusses beschlossen.

Dieser Kostenzuschuss kommt dann zum Tragen, wenn es in einem Bundesland keinen Rahmenvertrag zwischen der jeweiligen Gebietskrankenkasse und Ergotherapie Austria als Interessensvertretung gibt. Das ist derzeit in Wien, dem Burgenland, Vorarlberg, Kärnten und der Steiermark der Fall. Dort erhalten PatientInnen in Zukunft für die Stunde Ergotherapie einen Kostenzuschuss von 30 EUR.  Dieser Satz wurde an den derzeit höchsten Satz der steirischen GKK angehoben.

Für die Versicherten in allen anderen Bundesländern ändert sich nichts. Dort gelten weiterhin die Vertragshonorare bzw. im Wahlbereich die 80% Refundierung des Vertragshonorars.

Während es mit allen bundesweiten Krankenkassen (BVA, SVA, SVB, VAEB) Rahmenverträge zur Ergotherapie gibt, sieht die Situation mit den Gebietskrankenkassen ganz anders aus. Hier besteht lediglich für die Bundesländer Niederösterreich, Oberösterreich, Tirol und Salzburg ein Vertragszustand. Dieser ist in allen Bundesländern automatisch geregelt und weist erhebliche Unterschiede auf:

Bis jetzt zahlte die steierische GKK für eine Stunde Ergotherapie 30 EUR (1/2 Stunde = 15 EUR) Kostenzuschuss, an 2. Stelle reihte sich die WGKK mit 23,73 EUR Zuschuss für eine Stunde Ergotherapie (1/2 Stunde = 11,86 EUR). Die KGKK übernahm einen Kostenzuschuss in Höhe von 22,50 EUR (1/2 Stunde = 11,70 EUR) und die VGKK einen Zuschuss von nur 18,24 (1/2 Stunde = 9,60 EUR). An letzter Stelle reihte sich die BGKK mit einem Kostenzuschuss von 16,71 EUR (1/2 Stunde = 8,72 EUR) für 60 Minuten Ergotherapie.

Die in den Medien kolportierte Verbesserung von Ergotherapie als Sachleistung wurde vom Hauptverband der Sozialversicherungsträger nicht bestätigt. Das bedeutet, dass derzeit kein Ausbau von kassenfinanzierter Ergotherapie geplant ist.

Ergotherapie Austria sieht die Vereinheitlichung des Kostenzuschusses als einen ersten Schritt in die richtige Richtung, um eine bundesweite Leistungsharmonisierung für Ergotherapie zu erzielen, derzeit bleibt aber weiterhin das Ungleichgewicht zwischen kassenfinanzierter Ergotherapie und Ergotherapie mit hohen Zuzahlungen bestehen. Für die PatientInnen und KlientInnen bedeutet dies also immer noch, dass eine Inanspruchnahme von Ergotherapie von der jeweiligen Gebietskrankenkasse abhängig ist und hier weiterhin eine große Benachteiligung von Versicherten passiert.