Fachtagung 2026: Fokus Chancengerechtigkeit – ergotherapeutische Perspektiven: Handeln zwischen Ideal und Realität

Mit dem Schwerpunkt der Fachtagung 2026 wollten wir herausfinden, wie das Rollenverhältnis und die Haltung zum Thema Chancengerechtigkeit in der Ergotherapie verankert ist.

Karim El-Gawhary (Nahost-Experte) | Samantha Shann (Immediate Past President WFOT) | Marion Hackl (President Ergotherapie Austria) | Frank Kronenberg (Initiator OTs4GoodGovernance) | Anu Söderström (President COTEC)
Die Fachtagung „Fokus Chancengerechtigkeit – ergotherapeutische Perspektiven: Handeln zwischen Ideal und Realität“ von Ergotherapie Austria brachte Expert*innen aus Praxis, Wissenschaft und Gesellschaft zusammen, um zentrale Fragen zu Gerechtigkeit, Teilhabe und professionellem Handeln zu diskutieren.
Den Auftakt machte Martin Schenk mit seiner Keynote „Die Blume der Gerechtigkeit“. Anhand zentraler „Lebensmittel“ wie Teilhabe, Vertrauen, Selbstwirksamkeit und Anerkennung zeigte er, wie Armut nicht nur materiellen Mangel bedeutet, sondern auch grundlegende menschliche Bedürfnisse und Verwirklichungschancen einschränkt. Gerechtigkeit verstand er als ein vernetztes Zusammenspiel dieser Dimensionen, die wesentlich für Gesundheit und ein gutes Leben sind.
Sabine Haas rückte in ihrem Beitrag „Leaving no one behind: Gesundheitliche Chancengerechtigkeit im Fokus“ die globalen Nachhaltigkeitsziele in den Mittelpunkt. Sie betonte, dass gesundheitliche Ungleichheiten maßgeblich durch soziale und ökonomische Bedingungen entstehen und gezielte Maßnahmen notwendig sind, um faire Gesundheitschancen für alle zu ermöglichen.
Mit seiner Keynote „Krisenherd Nahost“ eröffnete Karim El-Gawhary eine internationale Perspektive auf das Tagungsthema. Er ordnete aktuelle Entwicklungen im Nahen Osten ein und machte deutlich, wie politische Konflikte globale Ungleichheiten verstärken. Gleichzeitig stellte er die Frage nach der Verantwortung von Institutionen und Professionen im Umgang mit diesen komplexen Dynamiken.
Der Vortrag bildete zugleich einen inhaltlichen Einstieg für den anschließenden Roundtable, der die Themen Verantwortung, gesellschaftliche Positionierung und politische Dimension professionellen Handelns weiter vertiefte. Im Rahmen dieser Diskussion tauschten sich Vertreter*innen nationaler und internationaler ergotherapeutischer Organisationen über Neutralität, gesellschaftliche Verantwortung und den Umgang von Berufsverbänden mit aktuellen politischen und sozialen Entwicklungen aus. Besonders betont wurde dabei die Bedeutung von offenem Dialog, Beteiligung der Mitglieder und der Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Ansichten.
Den Abschluss bildete Frank Kronenberg mit seiner Keynote „Hostipitalität – Handeln zwischen Ideal und Realität“. Er beleuchtete das Spannungsfeld zwischen Gastfreundschaft (hospitality) und Feindlichkeit (hostility) und lud dazu ein, dieses kritisch im Kontext von Chancengerechtigkeit und professioneller Praxis zu reflektieren.
Ergänzt wurden die Keynotes durch zahlreiche weitere spannende Vorträge, die Chancengerechtigkeit aus unterschiedlichsten ergotherapeutischen Perspektiven beleuchteten. Das Programm war dicht, zugleich aber äußerst vielfältig gestaltet, sodass für alle Teilnehmer*innen inhaltlich etwas dabei war.
Auch der Austausch kam nicht zu kurz: In den Pausen bot die begleitende Ausstellung Gelegenheit, sich zu informieren sowie miteinander ins Gespräch zu kommen und Netzwerke zu pflegen. Beim gemeinsamen Abendessen konnten bekannte Kolleg*innen wiedergetroffen und neue Kontakte geknüpft werden. Besonders hervorzuheben war dabei die Verpflegung – mit einem kreativen, ansprechenden Buffet mit vegetarischem und veganem Schwerpunkt, das eine große Auswahl bot und bei dem für jeden Geschmack etwas dabei war.
Die Tagung zeigte eindrucksvoll, dass Chancengerechtigkeit ein vielschichtiges Ziel ist, das interdisziplinäres Denken, gesellschaftliche Verantwortung und konkretes Handeln erfordert – auch und besonders in der Ergotherapie.
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