Ergotherapie bei Kleinkindern mit spezifischen Diagnosen
Nicht nur in der Frühförderung, sondern auch in ergotherapeutischen Praxen werden häufig Kleinkinder zwischen 1 und 4 Jahren mit (Verdachts-)Diagnosen wie z.B. „Globale Entwicklungsverzögerung“, „Cerebralparese“ „Autismusspektrum-Störung“ oder unterschiedlichen Syndromen vorgestellt. Für diese Kinder brauchen Therapeut*innen zusätzliche Kompetenzen, um Alltagsziele der Bezugspersonen zu erreichen und Partizipation für die Kinder zu ermöglichen.
Zudem sind zahlreiche Diagnosen in diesem frühen Alter noch nicht eindeutig zu stellen, daher befinden sich auch viele Kinder mit gravierenden Entwicklungsproblemen ohne spezifische Diagnose in der Therapie. Hier geht es u.U. auch darum, als Therapeut*in die Eltern sensibel auf dem Weg zu einer Diagnostik zu begleiten.
Themen des Seminars:
- Einbettung dieses Themas in die aktuelle professionelle Ergotherapie (CanMOP, CPPF, CMCE, PEO)
- Problembereiche von Kleinkindern mit Diagnosen
- Befunderhebung bei Kleinkindern mit gravierenden Entwicklungsproblemen (z.B. Betätigungs-/Performananlysen, Assessments wie PEDI, PEDI-CAT, GMFCS-Level, CESA, CHAT)
- Abgrenzung von spezifischen Diagnosen zu leichteren Formen der Entwicklungsverzögerungen
- Prinzipien/Vorgehensweisen in der Behandlung von Kleinkindern mit Intelligenzminderung, körperlichen Behinderungen, Fetale Alkoholspektrumstörung (FASD), Autismus-Spektrum-Störungen
- Unterstützung der Bezugspersonen bei der Auseinandersetzung mit Diagnosen
- Anleitung der Bezugspersonen in der Interaktion mit ihrem Kind
- Beratung bzgl. Umfeldgestaltung, Spielangeboten etc.
- Anbahnung „Unterstützer Kommunikation“ bei Kleinkindern
Möglichkeiten der betätigungszentrierten Befundung und Behandlung sowie Themen der Umfeldanpassung und Beratung werden im Kurs auch anhand von Videofallbeispielen erarbeitet.
Dieser Kurs ist besonders für Berufseinsteiger*innen und Kolleg*innen, die in die ergotherapeutische Arbeit mit Kindern wechseln möchten, geeignet!
Teilnehmer*innen können Kleinkinder mit unterschiedlichen Diagnosen zielgerichtet befunden und betätigungs- und klient*innenzentrierte Interventionen planen und durchführen.
Evidenzen:
Für Ergotherapie bei den einzelnen Diagnosen gibt es unterschiedliche Evidenzen – s. Baumgarten, A. & Strebel, H. (Hrsg.)(2025). Ergotherapie in der Pädiatrie, 2. vollst. überarbeitet und aktualisierte Aufl. Schulz-Kirchner Verlag.
Es gibt auch Evidenz für frühe Interventionen bei Kindern mit Diagnosen, z.B.:
- Akhbari Ziegler, S., Dirks, T. & Hadders-Algra, M. (2019). Coaching in early physical therapy intervention: the COPCA program as an example of translation of theory into practice. Disability and Rehabilitation, 41(15), 1846-1854.
- Mailleux, L., De Beukelaer, N., Carbone, M.B. & Ortibus, E. (2021). Early interventions in infants with unilateral cerebral palsy: A systematic review and narrative synthesis Research in Developmental Disabilities. 117, 104058.
- Morgan, C., Fetters, L., Adde, L., Badawi, N., Bancale, A. et al. (2021). Early Intervention for Children Aged 0 to 2 Years With or at High Risk of Cerebral Palsy: International Clinical Practice Guideline Based on Systematic Reviews. JAMA Pediatr.;175(8):846-858. doi: 10.1001/jamapediatrics.2021.0878. PMID: 33999106; PMCID: PMC9677545.