Kinder mit „Umschriebenen Entwicklungsstörungen motorischer Funktionen (UEMF; neu: EMK)“ erkennen – Interventionen einleiten
Die UEMF ist eine schwerwiegende Beeinträchtigung der Entwicklung der motorischen Koordination, die nicht allein durch eine Intelligenzminderung oder eine spezifisch angeborene oder erworbene neurologische Störung erklärbar ist und die laut AWMF-Leitlinie nicht mit klassischen Bottom-Up Therapiemethoden behandelt werden sollte.
In aktuellen Veröffentlichungen wird diese Störung nun als „Entwicklungsstörung der motorischen Koordination – EMK“ bezeichnet (Schott et al. 5.2026).
UEMF ist die häufigste motorische Störung mit Einfluss auf Ausführung von Aktivitäten des täglichen Lebens, erheblichen Auswirkungen auf die Entwicklungsprognose und die Teilhabe von Betroffenen (Blank & Vincon - AWMF 2020, Kurzfassung, S. 29ff).
Sensomotorische Störungen machen ca. 50% aller Ergotherapiebehandlungen aus (Blank & Vincon - AWMF 2020, Kurzfassung, S. 11).
Es ist davon auszugehen, dass viele Kinder/Jugendliche mit UEMF nicht diagnostiziert werden, da immer noch zu wenig über diese Diagnose bekannt ist, dabei dauern in vielen Fällen die motorischen und begleitenden Schwierigkeiten bis ins Jugendlichen- bzw. Erwachsenenalter an.
Daher ist es wichtig Kriterien zur Befundung dieser Kinder/Jugendlichen zu kennen, damit die passenden Interventionen (z.B. Beratung/Coaching des Kindes/der Bezugspersonen, CO-OP – Cognitiv Orientation to daily Occupational Performance) geplant werden können.
Im Seminar werden wir uns mit folgenden Themen auseinandersetzen:
- Definition, neurophysiologische Hintergründe einer UEMF
- Auswirkungen einer UEMF auf den Alltag
- Befundung (Betätigungs-/Performanzanalyse, kriteriengeleitete Beobachtungen, Tests) mit zahlreichen Videofallbeispielen
- Interventionen analog zum PEO-Modell und MATCH-Ansatz (Zapf 2023; Missiuna et al. 2004)
- Anpassung Umwelt: Beratung/Coaching des Kindes/Jugendlichen und der Bezugspersonen zuhause, in der Kita/Schule
- Anpassung Aufgabe: u.a. Nachteilsausgleich Schule
- Kind: Kurzer Einblick in die, in den AWMF-Leitlinien empfohlene Therapiemethode CO-OP
Die Kursinhalte werden mit Selbsterfahrungsübungen vertieft; das gezielte Beobachten wird anhand zahlreicher Filmbeispiele erarbeitet.
Dieser Kurs ist besonders für Berufseinsteiger*innen und Kolleg*innen, die in die ergotherapeutische Arbeit mit Kindern wechseln möchten, geeignet!!
Die Teilnehmenden können Kinder/Jugendliche mit UEMF identifizieren und passende Interventionen einleiten. Sie können nach dem MATCH-Ansatz Umwelt und Aktivitäten in Zusammenarbeit mit dem Kind/Jugendlichen und den Bezugspersonen so anpassen, dass sie ihren individuellen Bedürfnissen entsprechen.
Evidenzen:
- Blank, R. & Vinçon, S. (AWMF 2020). Deutsch-österreichisch-schweizerische (DACH) Versorgungsleitlinie zu Definition, Diagnostik, Behandlung und psychosozialen Aspekten bei Umschriebenen Entwicklungsstörungen motorischer Funktionen (UEMF),
- Baumgarten, A. & Strebel, H. (2025). Ergotherapie in der Pädiatrie, 2. vollst. überarb. und akt. Aufl. Schulz-Kirchner.
- Wirth, P., Hasselbusch, A. & Blum, A. (Hrsg.)(2024). Schulbasierte Ergotherapie. Partizipation und Inklusion in Bildungseinrichtungen. Hogrefe,